Für Thure von Uexküll

zum 95. Geburtstag

   
             
 
 
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Biografie

15.03.1908 in Heidelberg geboren als Sohn des Biologen Jakob von Uexküll und Gudrun Gräfin von Schwerin  
1928-34 Studium der Medizin, Staatsexamen in Hamburg
1935-1943 Assistenzarzt, Universitätsklinik Charité Berlin
1943-45 Arzt im Kriegsdienst
1946-55 Oberarzt Gustav von Bergmanns, Universitätsklinik München 
1948: Habilitation
1952-53 Rockefeller Stipendium USA
1955-65 Direktor der Medizinischen Poliklinik, Universität Gießen
1964: Mitglied des Gründungsausschusses der Universitäten Aachen und Ulm.
1966-76 Leiter der Abt. für Innere Medizin und Psychosomatik im Dept. Innere Medizin und Kinderheilkunde der Universität Ulm.
1970: Mitglied der "kleinen Kommission" zur Vorbereitung der Approbationsordnung (Einführung der Fächer Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie in die neue Ausbildungsordnung)
1973 Gründung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin
seit 1977 emeritiert. 
Lehrtätigkeit: Vorträge, Studentengruppen in Freiburg und Arbeitsgruppen für Integrierte Medizin
1992 Gründung der Akademie für Integrierte Medizin
   

 

Prof. Thure von Uexküll ist u.a.:

  • Ehrensenator der Universität Gießen;
  • Ehrenbürger der Universität Ulm;
  • Dr.hc. der Universität Tartu, Estland.

Prof. Dr.med. Dr.hc. Thure von Uexküll, Pioneer und Nestor der Psychosomatischen Medizin, wird am 15.03.2003 95 Jahre alt.

Bis heute arbeitet von Uexküll an seiner "Theorie der Humanmedizin". Sie soll es dem Arzt erleichtern, seine fach-spezifischen Sichtweisen in ein biopsychosoziales Verständniskonzept zu (re-) integrieren. Dies bedeutet auch, evidenz-basiertes Vorgehen durch einen Umgang mit dem Patienten zu ergänzen, der ihn als Subjekt in seiner jeweils individuellen Wirklichkeit zu verstehen versucht. 

Thure von Uexküll hat das systemtheoretische und semiotisch fundierte Modell ("Funktionskreis"-Konzept) seines Vaters, des Biologen Jakob von Uexküll, erweitert. Sein "Situationskreiskonzept" berücksichtigt, die Fähigkeit des Menschen seelische Arbeit in Vorstellung und Phantasie zwischen "Merken" und "Wirken" zu schalten, um Lösungen für Problemsituationen zu finden. 

Nach der Assistenzarztzeit an der Charité (1935-43) und dem Einsatz als Arzt im Kriegsdienst (1943-45) begann von Uexküll, die Entwicklung der Medizin im Nachkriegsdeutschland als Kliniker, Forscher und Reformer mit zu prägen: zunächst als Oberarzt Gustav von Bergmanns ("Neues Denken in der Medizin") in München. Eine Psychoanalyse half ihm, die Wechselwirkungen zwischen der eigenen Person und Patienten differenzierter zu beobachten und zu reflektieren. Während eines längeren USA-Aufenthaltes (1952/53) lernte er neue Organisationsformen der Versorgung und innovative Unterrichtskonzepte kennen. 

Als Direktor der Medizinischen Poliklinik in Gießen (ab 1955) und als Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik des Departments für Innere Medizin der Universität Ulm (ab 1966) wurde es ihm möglich, seine Konzepte teils selbst in die Krankenversorgung und in die Ausbildung umzusetzen, teils großzügig Freiräume für die berufliche Entfaltung seiner Mitarbeiter zu schaffen ("internistisch-psychosomatische Modellstation", "Anamnese-Gruppen"). 

Seine Beratungskompetenz war in vielen Gremien gefragt: Zur Universitätsreform trug er als Mitglied der Gründungs-Ausschüsse in Aachen und Ulm bei, zur Einführung der "Psych"-Fächer in die ärztliche Ausbildung (1970) als Mitglied der Vorbereitungskommission für die Approbations-Ordnung. In der Deutschen Forschungsgemeinschaft setzte er sich für die Förderung qualifizierter Forschungsansätze in diesen neuen Fächern ein; neben Projekten wurden auch Stipendien für die psychoanalytische Ausbildung von Wissenschaftlern gefördert. 

1973 schuf von Uexküll mit der Gründung der Fachgesellschaft ("Kollegium für Psychosomatische Medizin") ein Forum für den wissenschaftlichen Austausch - und die Berufspolitik. 1992 - 84-jährig - gründete er die "Akademie für Integrierte Medizin", mit dem Ziel, sein Verständnismodell als Basis für die Psycho-somatische Grundversorgung an Ärzte in Klinik und Praxis zu vermitteln. 

Seine Darstellung einer "integrierten Medizin" gewinnt immer noch an Klarheit: Rechtzeitig zu seinem Geburtstag ist die 6. deutsche Auflage des Lehrbuchs "Psychosomatische Medizin" erschienen. Als Herausgeber ist es ihm gelungen, mehr als 110 Autoren dafür zu gewinnen, ihre Kapitel auf sein Theorie-Modell - in einem ersten Ansatz - abzustimmen.

Karl Köhle, Köln


siehe auch: Otte, R.: Thure von Uexküll. Von der Psychosomatik zur Integrierten Medizin. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen, 2001.