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Prof. Dr.med. Dr.hc. Thure von Uexküll, Pioneer und Nestor der
Psychosomatischen Medizin, wird am 15.03.2003 95 Jahre alt.
Bis
heute arbeitet von Uexküll an seiner "Theorie der
Humanmedizin". Sie soll es dem Arzt erleichtern, seine
fach-spezifischen Sichtweisen in ein biopsychosoziales
Verständniskonzept zu (re-) integrieren. Dies bedeutet auch,
evidenz-basiertes Vorgehen durch einen Umgang mit dem Patienten zu
ergänzen, der ihn als Subjekt in seiner jeweils individuellen
Wirklichkeit zu verstehen versucht.
Thure von Uexküll hat das
systemtheoretische und semiotisch fundierte Modell ("Funktionskreis"-Konzept)
seines Vaters, des Biologen Jakob von Uexküll, erweitert. Sein
"Situationskreiskonzept" berücksichtigt, die Fähigkeit
des Menschen seelische Arbeit in Vorstellung und Phantasie
zwischen "Merken" und "Wirken" zu schalten, um
Lösungen für Problemsituationen zu finden.
Nach der
Assistenzarztzeit an der Charité (1935-43) und dem Einsatz als
Arzt im Kriegsdienst (1943-45) begann von Uexküll, die
Entwicklung der Medizin im Nachkriegsdeutschland als Kliniker,
Forscher und Reformer mit zu prägen: zunächst als Oberarzt
Gustav von Bergmanns ("Neues Denken in der Medizin") in
München. Eine Psychoanalyse half ihm, die Wechselwirkungen
zwischen der eigenen Person und Patienten differenzierter zu
beobachten und zu reflektieren. Während eines längeren
USA-Aufenthaltes (1952/53) lernte er neue Organisationsformen der
Versorgung und innovative Unterrichtskonzepte kennen.
Als Direktor
der Medizinischen Poliklinik in Gießen (ab 1955) und als Leiter
der Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik des
Departments für Innere Medizin der Universität Ulm (ab 1966)
wurde es ihm möglich, seine Konzepte teils selbst in die
Krankenversorgung und in die Ausbildung umzusetzen, teils
großzügig Freiräume für die berufliche Entfaltung seiner
Mitarbeiter zu schaffen ("internistisch-psychosomatische
Modellstation", "Anamnese-Gruppen").
Seine
Beratungskompetenz war in vielen Gremien gefragt: Zur
Universitätsreform trug er als Mitglied der
Gründungs-Ausschüsse in Aachen und Ulm bei, zur Einführung der
"Psych"-Fächer in die ärztliche Ausbildung (1970) als
Mitglied der Vorbereitungskommission für die
Approbations-Ordnung. In der Deutschen Forschungsgemeinschaft
setzte er sich für die Förderung qualifizierter
Forschungsansätze in diesen neuen Fächern ein; neben Projekten
wurden auch Stipendien für die psychoanalytische Ausbildung von
Wissenschaftlern gefördert.
1973 schuf von
Uexküll mit der Gründung der Fachgesellschaft ("Kollegium
für Psychosomatische Medizin") ein Forum für den
wissenschaftlichen Austausch - und die Berufspolitik. 1992 -
84-jährig - gründete er die "Akademie für Integrierte
Medizin", mit dem Ziel, sein Verständnismodell als Basis
für die Psycho-somatische Grundversorgung an Ärzte in Klinik und
Praxis zu vermitteln.
Seine Darstellung einer "integrierten
Medizin" gewinnt immer noch an Klarheit: Rechtzeitig zu
seinem Geburtstag ist die 6. deutsche Auflage des Lehrbuchs
"Psychosomatische Medizin" erschienen. Als Herausgeber
ist es ihm gelungen, mehr als 110 Autoren dafür zu gewinnen, ihre
Kapitel auf sein Theorie-Modell - in einem ersten Ansatz - abzustimmen.
Karl Köhle, Köln
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