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Rp.
Wie konstruiert man eine
passende Wirklichkeit?
Um 95 Jahre alt zu werden, muss man sich als
Leiter eine Wirklichkeit konstruieren, die 95 Jahre lang passt.
Es ist kein Geheimnis, dass dafür Jogging ebenso
wenig funktioniert wie Walking, der Freizeitsport für gesetzterer
Jahrgänge. Auch der Rat, zur Vermeidung des vorzeitigen Alzheimers die
trägen Hirnzellen mit Skat-Spielen und dem Raten von Kreuzworträtseln zu
trainieren, ist nur in Grenzen hilfreich.
Statt dessen ist zweierlei nötig: einmal seine
individuelle Wirklichkeit so zu konstruieren, dass sie Stress und Ärger
in Grenzen halten kann - und zweitens - nie zu versuchen, die eigene
Wirklichkeit anderen aufzudrängen oder zu einer kollektiven Wirklichkeit
aufzublähen.
Die Vorstellung, Menschen könnten sich dauerhaft
auf eine kollektive Wirklichkeit einigen, beruht auf Realitätsverkennung:
Sie ignoriert die Tatsache, dass wir Universitäten brauchen, um an der
Vorstellung einer für alle verbindlichen oder "objektiven"
Wirklichkeit zu basteln, (dabei aber ständig unvereinbare Wirklichkeiten
produzieren), dass politische Parteien nötig sind, um gemeinsame
Wirklichkeiten auszuhandeln und dass Armeen von Diplomaten versuchen
müssen, die Völker daran zu hindern, sich ihrer verschiedenen
Wirklichkeiten wegen umzubringen.
Angesichts dieser Erfahrungen sind wir in
wechselnden Gruppen der Frage nachgegangen, wie Wirklichkeiten biologisch,
psychologisch und sozial konstruiert werden. Die Ergebnisse dieser
Arbeiten sind in der sechsten Auflage unseres "Schwerbuchs"
(Gewicht etwa 2,5 kg) auf 1564 Seiten zusammengetragen.
Darin wird die These vertreten, dass "die
Seele" in dem Gehirnabschnitt sitzt, der für den Körper und dessen
Inhaber eine Wirklichkeit konstruiert, in der er sich orientieren und
seine Bedürfnisse einigermaßen befriedigen kann, und dass sie (die
Seele) dafür die Zeichen benutzt, die unsere Augen und Ohren
empfangen.
Das klingt sehr abgehoben und theoretisch. Mit
Recht werdet Ihr jetzt fragen: "Wie macht die Seele das?" Wie
konstruiert sie aus den chaotischen, unhygienischen und oft genug
lebensgefährlichen Ereignissen unserer Welt eine Wirklichkeit, in der wir
überleben, und 95 Jahre alt werden können?
Glücklicherweise hat ein genialer Dichter dieses
Rezept verraten: Er lässt seinen Helden Palmström in einer Situation
konkretester Gefahr für Leib und Leben eine Wirklichkeit konstruieren, in
der er - ohne Gefahr für ein posttraumatisches Belastungs-Syndrom -
weiterleben kann:
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